60 Jahre Baugenossenschaft Familienheim Eppingen

Die bittere Not und das große Elend, das der unselige 2. Weltkrieg hinterließ, war stärker als sonst wo auf dem Gebiet des Wohnungswesens sichtbar. Zusätzlich zu den Evakuierten aus den ausgebombten Städten, die bereits in Altbauwohnungen unterkamen, waren ab 1946 auch die vielen Heimatvertriebenen unterzubringen.

Alle mit diesem Problem befassten Kreise waren bestrebt, so schnell wie möglich neuen Wohnraum zu schaffen. Aus christlicher Wurzel heraus, gingen in der Erzdiözese Freiburg, Priester und Laien ans Werk, um den hilfsbedürftigen Menschen durch Wohnbau die Voraussetzungen für eine neue Heimat zu geben.

Emil Thoma, Stadtpfarrer von 1924 - 1948

In Freiburg entstand unter dem Namen „Siedlungswerk Neue Heimat“ eine Dachorganisation, die Anregungen und Hinweise zur Gründung von Baugenossenschaften gab.

Im damaligen Landkreis Sinsheim war es der Eppinger katholische Stadtpfarrer Emil Thoma, der, trotz eigenem harten KZ-Schicksal, als einer der Ersten im Lande daran ging, der ungeheuren Wohnungsnot den Kampf anzusagen. Durch seine Initiative konnte, in Zusammenarbeit mit Architekt Ernst Riedel, Geschäftsführer Ernst Sauer und der Schulrätin Mathilde Meny dann schließlich am 05. Februar 1947 im Saal des Gasthauses „Zum Ochsen“ in Sinsheim die Gründungsversammlung der Baugenossenschaft „Neue Heimat, gemeinnützige Baugenossenschaft für den Landkreis Sinsheim, Sitz: in Sinsheim“ stattfinden.

Sie war damit eine der ersten Baugenossenschaften in Baden, die nach dem Krieg gegründet wurden. Am 06.02.1948 wurde in einer weiteren Versammlung der Sitz der Genossenschaft nach Eppingen verlegt.

Einweihung des 1. Hauses am 9. Oktober 1949 in Eppingen, Adelshofer Straße
Einweihung des 1. Hauses am 9. Oktober 1949 in Eppingen, Adelshofer Straße

Bautätigkeit auf fast allen Gemeinden

Bereits vor der Währungsreform wurde mit dem Bau eines Reihenhauses längs der Adelshofer Straße begonnen. Die Materialbeschaffung und die Finanzierung des Bauvorhabens bereiteten gewaltige Schwierigkeiten. Nur durch ein ungewöhnlich hohes Maß an Eigenarbeit der Siedler, durch Verwendung von Trümmermaterial und selbst hergestellte Bausteine, war dies möglich. Das Bauholz wurde in dankenswerter Weise von der Stadtverwaltung Eppingen aus dem Stadtwald fast kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Munitionslager in Siegelsbach ist der Genossenschaft erlaubt worden, die bestehenden Bunker abzubrechen und die noch brauchbaren Backsteine zum Hausbau zu verwenden.

Erst nach der Währungsreform konnten die Baustoffe beim Fachhandel bezogen werden. Jetzt stand aber das erforderliche Geld nicht mehr zur Verfügung, weil das ganz Guthaben der Genossenschaft abgewertet wurde. Eine günstige Finanzierung und ein verlorener Baukostenzuschuss, wie es damals hieß, sorgten dann für die Fertigstellung des Reihenhauses. Im Oktober 1949 konnte das erste Wohngebäude mit 10 Wohneinheiten unter großer Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden.

Es folgten in kurzen Abständen weitere Baumaßnahmen in Waibstadt, Eppingen, Berwangen, Tiefenbach, Eichelberg, Steinsfurt und Bargen. Die Bautätigkeit erstreckte sich nunmehr auf fast alle Gemeinden des ehemaligen Landkreises Sinsheim.

Firmensitz in Eppingen, Brettener Straße 77
Firmensitz in Eppingen, Brettener Straße 77

25 jähriges Jubiläum

Getreu dem von Siedlungswerk geprägten Motto „so viele Eigenheime wie möglich und so viele Mietwohnungen wie nötig“ wurde anfangs auf die Erstellung von Familiewohnheimen besonderer Nachdruck gelegt. Erst ab dem Jahr 1962 ging man auch dazu über, an den Bau von Mietwohnungen zu denken. Das erste Wohngebäude mit 12 Mietwohnungen entstand in Eppingen im Roth an der  Friedensstraße. Im Zuge eines Programms zur Beseitigung der dort stehenden Baracken, wurde dieses  Bauprojekt durchgeführt und die Mietwohnungen den bisherigen Barackenbewohnern angeboten. In Siegelsbach wurden in den Jahren 1962 – 1965 für Angehörige der Bundeswehr 40 Wohnungen gebaut.

Während sich am Anfang das Genossenschaftsbüro in der Wohnung des Architekten Ernst Riedel im Gasthaus „zum Rössle“ befand, wurde im Februar 1951 ein eigenes Gebäude im Gewann “Vorstädter Brücke“ am Postweg erworben. Diese Büroräume reichten bald nicht mehr aus. Man entschloss sich daher, auf dem Ruinengründstück Brettener Straße 77 ein eigenes Verwaltungsgebäude mit 10 Büroräumen im Erdgeschoß und 10 Mietwohnungen darüber zu errichten. Die Einweihung des Gebäudes erfolgte am 30. April 1966.

Im Jahre 1971, bei der Feier des 25jährigen Jubiläums, überbrachte Bürgermeister Peuckert die Glückwünsche der Stadt und des Gemeinderates und dankte für den großen Einsatz im Wohnungsbau. Unter großem Beifall der Versammelten gab er bekannt, dass der Gemeinderat der Stadt Eppingen, als Dank für den Mut und Idealismus, der hier zutage getreten ist, eine Straße nach dem Gründer der „Neuen Heimat“, Stadtpfarrer Emil Thoma, benannt hat, gleichsam als Anerkennung auch an alle Mitarbeiter.

Die beiden noch lebenden Mitbegründer der „Neuen Heimat“, die noch im Vorstand und im Aufsichtsrat tätig waren, Mathilde Meny und Alois Bergold wurden in Anerkennung ihrer Treue und ihres Einsatzes von der Genossenschaft mit einer Gedenkmünze und Ehrenurkunde ausgezeichnet. Stadtpfarrer Emil Thoma, der seit 1950 Ehrenvorsitzender war, verstarb am 1. August 1957.

Baugenossenschaft Familienheim Eppingen eG

Die Generalversammlung 1972 hat die Änderung des Firmenamens in „Familienheim Kraichgau, gemeinnützige Baugenossenschaft eGmbH Sitz: Eppingen“ beschlossen. Der neue Name sollte das Bestreben der Genossenschaft unterstreichen, nach der Beseitigung der Wohnungsnot der Heimatvertrie-benen nunmehr zur Linderung der Not der Familien beizutragen.

Am 16. September 1980 wurde in Waibstadt auf das tausendste erstellte Wohnhaus der Richtbaum gesetzt. Nach 33 Jahren ihres Wirkens hatte die Baugenossenschaft damals über 2000 Wohnungen gebaut. In der Folgezeit wurden vor allem für die Aus- und Übersiedler aus den Ostgebieten, die in Übergangswohnheimen, beengt bei Verwandten oder in unzumutbaren Verhältnissen lebten und in den Mietwohnungsmarkt drängten, Mietwohnungen gebaut. Die von der Genossenschaft im Jahre 1990 erstellten 29 neue Wohnungen, reichten bei weitem nicht aus, den notwendigen Bedarf zu decken. In den Jahren 1994 und 1995 wurden weitere 35 Mietwohnungen gebaut.

Die Steuerreform 1990 brachte die Aufhebung des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes. Dies hatte eine unternehmerische Neuordnung zur Folge. Neben den rechtlichen Gründen waren es auch prakti-sche Gründe, den Namen in „Baugenossenschaft Familienheim Eppingen eG“ zu ändern. Unsere Firma ist jetzt aus dem Namen als Baugenossenschaft zu erkennen. Dass wir weiterhin dem Bau familiengerechter Wohnungen verbunden sind, zeigt die Beibehaltung des Wortes „Familienheim“. Unser Firmensitz in Eppingen, wird ebenfalls durch den Namen verdeutlicht.

Vorstand und Aufsichtsrat der Baugenossenschaft Familienheim Eppingen eG
Vorstand und Aufsichtsrat der Baugenossenschaft Familienheim Eppingen eG v.l. Klaus Föringer, Dieter Hoffmann, Josef Hautzinger, Emil Lang, Alois Bergold, Karl-Heinz Ehrenberger, Reinhold Dick, Anton Varga, Dekan Bernhard Knobelspies

Wir zählen bis heute nahezu 1000 Mitglieder

Weitere Investitionen folgten durch die Ankäufe von landwirtschaftlichen Anwesen in der Brettener Straße 73 und 81. Es entstanden durch Aus- und Umbau 5 Wohnhäuser mit 28 Wohnungen und eine großzügige Gewerbeeinheit. Im Jahre 2007 erfolgte mit der Einweihung unseres Wohnhauses in der Frauenbrunner Straße 2/1 der Abschluss dieser Bebauung. Durch diese Baumaßnahmen haben wir im Verwaltungsareal weitere moderne Mietwohnungen unter Einbeziehung erneuerbarer Energien, wie Photovoltaikanlagen, geschaffen. Der Bau von 4 Reihenhäusern rundet unser Mietangebot in Eppingen ab. Unsere Mitglieder von Jung bis Alt, vom Einzelhaushalt bis zur kinderreichen Familie, finden bei uns ihr Zuhause. Den Mietern ermöglicht unser Angebot an Wohnungen ihre verschiedenen Be-dürfnisse zu decken und soziale Bindungen zu leben.

Heute besitzt die Familienheim Eppingen 46 Häuser mit 300 Mietwohnungen und 178 Garagen sowie 1 Laden und 3 Büroeinheiten. Unsere Baugenossenschaft hat heute nahezu 1000 Mitglieder. Es entstanden insgesamt für über 2200 Familien Wohnungen. Während in früheren Jahren die Verkaufs- und Baubetreuungstätigkeit als Haupttätigkeit angesehen wurde, wird heute der Schwerpunkt auf Modernisierung und Erweiterung des Miethausbestandes gelegt. Die Umsatzerlöse der Genossenschaft aus der Vermietung betragen mehr als 1,6 Millionen Euro jährlich.

Die vorsichtige Firmenpolitik sowie die vorausschauende Planung führten dank ständiger enger Verbindung mit den Organen der Genossenschaft zum Erfolg. Die Baugenossenschaft Familienheim Eppingen hat heute einen anerkannten und festen Platz unter den Firmen und Genossenschaften in Eppingen und Umgebung. Viele sozial eingestellte Männer und Frauen haben mitgeholfen, die große Wohnungsnot zu überwinden.

Sie haben dafür gesorgt, dass für breite Bevölkerungsschichten familiengerechte Wohnungen zu erschwinglichen Mieten gebaut werden konnten. Ihnen gilt heute unser Dank für ihren selbstlosen und erfolgreichen Einsatz im Dienste des Wohnungsunternehmens.